Video Meeting mit Teams oder Zoom vs Meeting in Virtual Reality mit spatial.io oder Horizon Workrooms

Ein wesentliches Argument für den Einsatz von VR-Brillen im beruflichen Alltag ist das immersive Erlebnis. Das Interesse war daher gross in einem Selbstversuch herauszufinden wo die wesentlichen Vorteile und Nachteile von Meetings im virtuellen Raum im Vergleich zu klassischen Videomeetings liegen.

Bisher waren wir bei Video-Meetings mit Zoom oder Microsoft Teams unterwegs. Ab und zu setzten wir auch auf die OpenSource Lösung von BigBlueButton. Bei den virtuellen Räumen haben wir uns intensiver mit hubs.mozilla.com, spatial.io und Horizon Workrooms von Meta auseinandergesetzt.

Avatare vs. Gesicht

Ein gewichtiger Unterschied zu den Videolösungen ist, dass Avatare zum Einsatz gelangen. Ob man eine möglichst grosse Übereinstimmung mit dem realen Aussehen anstrebt oder eher eine Phantasiefigur zusammenklickt, ist jedem selber überlassen. Spätestens, wenn man die Stimme hört, erkennt man die Person. Vorbei ist es mit verschlafenen Gesichtern, ungekämmten Frisuren, missglückten Schminkversuchen, Bartstoppeln, Augenringen etc.

Immersives Erlebnis vs. Mattscheibe

Der virtuelle Raum für die Sitzung lässt sich frei wählen und gestalten. Während ich in der Videokonferenz in meinem Homeoffice, Büroarbeitsplatz oder im ÖV irgendwo unterwegs bin, kann ich das Setting im virtuellen Raum bewusst wählen. Ein blauer Himmel mit Sonne, weisse leuchtende Wolken, Aussicht auf Strand und Meer oder verschneite Berge lösen eine ganz andere Grundstimmung aus als das Wintergrau in unseren Breitengraden. Dann ist der Blick auch 360° frei und man ist nicht auf eine Mattscheibe fixiert.

Angenehme Athmosphäre in Horizon Workrooms. Die Stärken von diesem Konzept liegen in der Gestik und bedingt bei der Mimik, die bei den Avataren während der Kommunikation sichtbar ist. Bezüglich Integration von Objekten in den Raum fällt die Lösung zu spatial.io deutlich ab.

Kooperation vs. einer Spricht

Bei den klassischen Videokonferenzen werden Dokumente über eine Fileablage, per Mail oder direkt am Bildschirm geteilt und besprochen. Anmerkungen sind schwer zu machen und sehr flüchtig. Mit dem Ende der Videokonferenz stehen die Inhalte nichtmehr zur Verfügung. Im virtuellen Raum lassen sich alle Dokumente bereitstellen und wie in einem Museum inszenieren. Das umfasst neben Bildern, Videos, klassischen Officedokumenten auch 3D-Objekte. Man kann sich um diese Objekte gruppieren, mit Notes direkt Anmerkungen anbringen. Mehrere Personen können so gleichzeitig agieren. Im Vergleich zu einem gemeinsam genutzten Whiteboard lassen sich die Notes mit dem Handle (Joystick) sehr einfach und schnell umgruppieren, von allen Teilnehmenden. Die innere Beteiligung der Einzelnen ist wesentlich höher als in der Videokonferenz. «Alles schläft und einer spricht, das nennt man Unterricht», dieses Sprichwort trifft wohl auf viele Videokonferenzen zu. Im virtuellen Raum ist das schwieriger, weil effektiv körperliche Bewegung unabdingbar ist. Damit man auf die Präsentationsmauer sieht, muss man allenfalls zwei Schritte nach links gehen, damit man am Avatar vorbeisieht, der vor einem steht. Die Liste der zu bearbeitenden Themen befindet sich in einer anderen Ecke des Raums als Bilder und Grafiken. Kooperation ist auch in kleinen Gruppen möglich. Verschiedene Audiozonen verhindern, dass sich alle hören. Der Sichtkontakt bleibt aber bestehen.

Mit Notes lassen sich mehrere Personen aktivieren. Alle können ihre Zettel an die Mauer kleben, dort wo sie es für geeignet halten.

Convenience vs. Technik

Wir hatten unser Arbeitstreffen in spatial.io durchgeführt. Nach unserem Erkenntnisstand diejenige Plattform, die sich für unsere Zwecke als Bildungsfachleute am besten eignet.

Teilgenommen haben die meisten Leute mit der VR-Brille Oculus Quest 2 von Meta. Zwei Teilnehmer haben via den Webbrowser teilgenommen mit Mikrophone und Camera.

Unser Projektraum umfasst bereits viel Material, Videos, Bilder, PDFs, Word-Dokumente und diverse 3D Objekte. So ist die Ladezeit bei einem schwachen Datennetz etwas langsam. Manchmal hat sich die sptial.io App in der Brille aufgehängt oder ein Kollege musste mehrere Anläufe nehmen, bis er sich über den Webbrowser in unseren Projektraum einklinken konnte. Die technische Hürde ist sicher noch etwas höher als bei einer Videokonferenz. Allerdings, wenn alles eingerichtet ist, kann man ebenso auf Knopfdruck starten.

Fazit

Am Schluss stellte sich die Frage, welches nun die attraktivere Form für ein Meeting sei, Video-Konferenz oder ein Onlinemeeting im virtuellen Raum. Sehr schnell kamen Antworten, dass das VR-Meeting viel attraktiver ist. Vor die Wahl gestellt würden sie diese Form bevorzugen. Viele haben zudem vergessen, dass sie fast zwei Stunden die schwere Brille auf hatten. Übrigens der Akku der Brille hält ca. 120 Minuten. Damit gibt es einen äusseren Grund die Sitzungszeit zu limitieren. Bezüglich technischer Stabilität, Funktionsumfang für Online-Moderation und Online-Bildungsprozesse besteht trotzdem noch Potenzial.

Virtuelle Lernräume vs. Videokonferenz

Ein weiterer Vorteil zeigt sich bei der Verfügbarkeit der Räume. Während die Schulzimmer für die nächste Gruppe wieder freigegeben werden müssen, kann man den virtuellen Raum so belassen, wie er nach einer intensiven Arbeitsphase eben gerade Aussieht. Die Räume können zudem gespeichert oder archiviert werden. Wenn ich als Kursleiter Kursmaterial, Aufgabenstellungen etc. vorbereite, kann ich alles im Raum liegen lassen und den Zustand so speichern. Mit der Kursgruppe kann ich den Raum dann gestalten und entwickeln, wie es deren Lernbedürfnissen entspricht. Vorbei sind die Zeiten, wo für Gruppenarbeiten kein Zimmer frei war. Wo meine Lehrerkolleginnen und Kollegen reklamiert haben, ich hätte nicht alles von meinem Anschauungsmaterial aus dem Zimmer entfernt. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich bei einer neuen Workshopgruppe meinen bereits vorbereiteten und gespeicherten Raum einfach kopieren kann. Alles in allem sind virtuelle Lernräume eine grosse Bereicherung im Online-Lernen.

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